„Anonyme Rohstoffe gibt es nicht mehr.“

Ein Interview mit Julia Edmaier von „Dr. Bronner’s Bioseifen“ rund um biofaires Palmöl und andere Rohstoffe.

  1. Interview: Leo Frühschütz

Wie kommt es, dass eine US-Firma in Westafrika bio-faires Palmöl produziert?

Da muss man weit zurückgehen in die Firmengeschichte. Der Gründer Emanuel Bronner stammte aus einer deutsch-jüdischen Seifensiederfamilie und wanderte 1929 in die USA aus, seine Eltern wurden im KZ ermordet. Er begann, sich unter dem Motto ‚all one für eine Welt ohne Krieg und Hass einzusetzen. Als er merkte, dass sich die Menschen mehr für seine Seifen als für seine Predigten interessierten, druckte er seine Thesen auf deren Verpackung.

Und da stehen sie heute noch?

Ja. Dieser moralische Anspruch des Unternehmens ist sehr tief verwurzelt. David und Mike Bronner, die heute die Firma leiten, haben versucht, die Ideen ihres Opas in die Modernität umzusetzen. So begannen sie darauf zu achten, wo die Rohstoffe der Seifen eigentlich herkommen. Zuerst stellten sie alles auf bio um, doch sie wollten sichergehen, dass diese Rohstoffe auch sozial und fair hergestellt werden. Weil es entsprechend zertifizierte Rohstoffe vor zehn Jahren noch nicht gab, begannen sie, eigene Projekte aufzubauen.

Julia Edmaier betreut die Projekte des Bioseifen-Spezialisten Dr. Bronner's in Zertifizierungsfragen. Zuvor arbeitete die 32-Jährige für den Schweizer Zertifizierer IMO und dessen Fair for Life–Zertifizierung.

Wie kamen die beiden nach Ghana?

Das Palmöl-Projekt in Asuom hat die US-Organisation Fearless Planet vor zehn Jahren begonnen. Dr. Bronner war der wichtigste Abnehmer und hat das Projekt dann 2010 in eigene Regie übernommen. Seitdem ist Serendipalm eine von Dr. Bronner’s Schwesterfirmen.

Es gibt mehrere Schwestern?

Ja, schließlich ist Palmöl nur einer unserer Rohstoffe. Mengenmäßig bedeutender ist für uns Kokosöl, das die Unternehmen Serendipol in Sri Lanka und SerendiKenya in Kenia produzieren. Im Moment sind wir dabei, in Samoa ein weiteres Projekt aufzubauen, weil die Nachfrage nach Kokosöl enorm gestiegen ist. Das Pfefferminzöl für unsere beliebteste Seife beziehen wir aus einem Projekt in Indien. Bei anderen Rohstoffen, die wir nur in kleinen Mengen benötigen, beteiligen wir uns an bio-fairen Projekten befreundeter Unternehmen, die wir auch regelmäßig besuchen. Olivenöl etwa beziehen wir aus Canaan in Palästina. Anonyme Rohstoffe gibt es bei uns nicht mehr.

Leo Frühschütz
Auf dem Feld stehen und lernen, wie aus einem Rohstoff ein Lebensmittel wird: Das ist es, was Leo an seinem Beruf am meisten liebt. Für Ö war er sogar bei der Palmölernte in Ghana – was davon bleibt: Gesichter, Gerüche nach Veilchen und Frittenbude und das Wissen, wie viel Handarbeit und Hoffnung in dieser Zutat stecken. Mehr ...

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