Die Trampel, die ich rief

Island war tausende Jahre ein spärlich bewohnter Fleck mitten im Atlantik. Bis die Touristen kamen.

  1. Autor: Florian Siebeck
Die „Blaue Lagune“ in der Nähe des Flughafens ist überlaufen. Jetzt entsteht auch noch ein großes Hotel nebenan. Isländer baden hier kaum noch.
Die „Blaue Lagune“ in der Nähe des Flughafens ist überlaufen. Jetzt entsteht auch noch ein großes Hotel nebenan. Isländer baden hier kaum noch.

Als ich vor fünf Jahren zum ersten Mal nach Island kam, war da: nichts. Nur die Natur und ich. Das war 2012, und weil man bei Lufthansa dachte, dass der Flughafen Berlin-Brandenburg aufmachen werde, erweiterten sie ihr Streckennetz um exotische Destinationen wie Reykjavík. Wir wissen ja, wie das mit dem Flughafen lief, aber nach Reykjavík flogen sie trotzdem, von Tegel aus. Gegenüber des Mietwagenschalters am Flughafen von Keflavík hing ein riesiges Plakat: „Do not drive here.“ Markiert war das ganze Land, außer die Hauptstadt und die Ringstraße, die um die Insel führt.

Das Land aus den Nachrichten und aus „Game of Thrones“

Nach Ansicht von Ökonomen ist Island viel zu klein, um als Staat zu existieren. Aber weil das die Isländer nicht juckt, existieren sie trotzdem, mit eigener Währung, weitgehend unabhängig vom Rest der Welt. Entwicklungen, die anderswo Jahrzehnte dauern, spielen sich hier innerhalb weniger Jahre ab. Wohin das führen kann, zeigte der Bankenkoller von 2008.

Die Deregulierung der Banken brachte das Land an den Abgrund, doch manche sagen: Die Krise hat das Land gerettet. „Der Währungsverfall machte den Besuch plötzlich erschwinglich“, erzählt Katrín Oddsdóttir, die Anwältin und Aktivistin ist. Dann kam der Vulkan Eyjafjallajökull mit seiner Aschewolke, der den Flugverkehr Europas lahmlegte, und die Touristen wurden immer mehr.

Als kämen jährlich mehr als eine halbe Milliarde Menschen nach Deutschland

Sie wollten dieses verwunschene Land sehen, das sie aus den Nachrichten kennen, aus Serien wie „Game of Thrones“ und Liedern von Björk und Sigur Rós. Mittlerweile ist der Tourismus die tragende Säule der isländischen Wirtschaft. „Wir dachten, die Zahlen würden zurückgehen, doch es wurden mit jedem Jahr mehr.“

Während 1950 gerade einmal 5.000 Touristen nach Island kamen, waren es 2010 eine halbe Million. 2016 kamen schon 1,8 Millionen, 40 Prozent mehr als im Vorjahr, der größte Zuwachs in ganz Europa. 2017 sollen es 2,3 Millionen Menschen werden – bei gerade mal 323.000 Einwohnern. Ein Ende der Aufwärtskurve ist nicht in Sicht. Auf deutsche Verhältnisse hochgerechnet wären das weit mehr als eine halbe Milliarde Besucher pro Jahr.

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Florian Siebeck
Florian Siebeck schreibt für gewöhnlich über die schönen Dinge des Lebens, über Mode und Design. Privat hat er dem Konsum materieller Dinge fast vollständig entsagt, er gibt sein Geld lieber für Reisen und gutes Essen aus. Mehr ...

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