Du bist ’ne Superfrau, Günes Seyfarth!

Ihre Plattform Mamikreisel verschafft Millionen von Textilien, Spielzeugen und Kinderwägen einen zweiten Einsatz. Lob einer echten „Ökone“.

  1. Autorin: Jutta Koch

Mein Kennenlernen mit Günes lief so: Sie sagt: „Ich bin Günes von Mamikreisel.“ Ich: „Ah, Mamikreisel!“ Sie: „Du kennst Mamikreisel? Ich mag dich!“ Ich: „Ich bin Jutta. Redakteurin bei Ö.“ Sie: „Ö! Kenne ich!“ Ich: „Ich mag dich auch!“

Günes’ Kopf ist eine Wundertüte. Darin: Sehr viele kluge Gedanken zu Karriere, Kindern, ökologischem Gewissen. Für das, was sie sagt, zahlt man beim Coach einen Haufen Geld. Und sie sagt viel. Klar, so viel gute Laune muss unter die Leute.

Lebensmittelretterin ist
sie auch noch!

Die Mutter von drei Söhnen zwischen 3 und 7 Jahren ist Gründerin des Online-Flohmarkts Mamikreisel. Tonnenweise Kinderkram wird über das Portal verkauft, verschenkt und getauscht, insgesamt gibt’s über 22 Millionen Artikel. 12 Millionen Nutzer sind registriert. Günes’ Tipp für Startup Unternehmer: „Konzentrier dich nicht nur auf ein Ding.“ Als Betriebswirtschaftlerin rät sie zur Risikodiversifikation: „Wenn eine Sache schiefgeht, hast du immer noch die andere. Das
verringert das Risiko, schlechte Laune zu kriegen.“

Günes’ Zweitjob: Sie ist ehrenamtlicher Vorstand einer Kindertagesstätte, die sie gegründet hat. Typisch: Wenn die Kitas in München zu teuer und überlaufen sind, dann startet sie was Eigenes. Außerdem rettet sie mehrmals pro Woche für die Initiative Foodsharing Lebensmittel vor der Tonne. ’Ne echte „Ökone“ also. Trotzdem sie fühlt sich nicht automatisch auf der richtigen Seite.

„Dass meine bloße Existenz der Welt schadet, hat mich fertig gemacht.“

Nachdem sie „Barfuß in Manhattan“ (von Colin Beavan über seinen Versuch, klimaneutral zu leben) gelesen hatte,
kriegte sie die Krise. „Dass meine bloße Existenz der Welt schadet, hat mich fertig gemacht.“ Ihr Gegengift: Das Buch „Ökofimmel“ (von Alexander Neubacher, der zeigt, welche vermeintlichen Weltrettungsmaßnahmen völliger Humbug sind).

Auch so was Schönes an Günes: Sie liest immer auch das andere Buch. Und sagt: „Niederlagen sind gut, um weiterzukommen, denn nur so kriegt man den Arsch hoch.“ Ihre Strategie: „Steck’s weg, mach weiter.“

Ihren missionarischen Eifer von früher – als sie auch mal die Zeugen Jehovas auf einen Kaffee hereingebeten hat, um sie zu bekehren –, hat sie aufgegeben. „Manche Leute kriegen einfach Angst, wenn man sagt: Stell dir nur mal vor …“ Winken sie dann schon ab, kann Günes es heute gut sein lassen. „Dann sage ich: Wir lassen das. Wir brauchen mehr Wein!“

Jutta Koch
Jutta ist eine der zwei leitenden Redakteurinnen von Ö – und unsere Kolumnistin! Und ja, so ulkig und bunt sie schreibt, erzählt sie auch. Das Arbeiten mit ihr ist immer wieder ein Fest. Mehr ...

Diese Themen
in der aktuellen
Ausgabe lesen: