„Ich bin fett“

Wer zu viel Speck auf den Rippen hat, wird auf der Straße angestarrt und beschimpft. Katrin Lange zeigt sich trotzdem gerne.

  1. Autorin: Anke Helène
  2. Foto: Katrin Lange
Dicke Frau mit schwarzem langen Kleid und rosa Haaren steht vor Sandsteinsäulen.
Katrin Lange, 27, Grafik-Designerin und Bloggerin in Edinburgh

„Ich bin fett. Ich habe kein Problem damit, das zu sagen. In der Außenwelt ist diese Bezeichnung aber schwierig, sie wird oft so negativ wahrgenommen. Ich habe verstanden, dass sich mein Leben nicht ändert, wenn ich morgen mit Kleidergröße 42 oder 32 aufwache. Ich wäre dadurch nicht glücklicher oder zufriedener. Ich brauche das nicht, um mein Leben besser zu machen – lieber würde ich jeden Morgen mit einer anderen Haarfarbe aufwachen. Es hat aber lange gedauert, die Erkenntnis, dass es okay sein könnte, dick zu sein, in mein Leben zu lassen. Es war ein unfassbarer Gedanke!

Ich kann wandern und Berge hochklettern: Ich tue einfach.

Ich bin zufällig bei der Suche nach einem Abiball-Kleid über amerikanische Plus-Size Blogger gestolpert. Da waren tatsächlich Menschen, die sich öffentlich gezeigt haben – und ihr Gewicht hat dabei keine Rolle gespielt. In Deutschland gab es das noch kaum. Kurz danach habe ich auch angefangen zu bloggen. Mein Blog hat mir selbst viel gebracht; nicht nur Selbstbewusstsein. Sondern auch den Zugang zu Themen wie Fat Acceptance und Feminismus.“

In Deutschland geht es oft darum, bloß nicht aufzufallen.

Jetzt achte ich nicht mehr darauf, ob ich schief angeschaut werde, es ist mir egal geworden. Seit ich in England bin, hat sich viel für mich geändert und ich habe meine Comfort-Zone verlassen. Ich dachte immer, so was kann ich erst machen, wenn ich abgenommen habe. Aber ich kann wandern gehen und Berge hochklettern. Ich tue es einfach. Und dieses Gefühl ist super befreiend.

In England ist vieles entspannter, die Menschen gehen anders mit Mode um und sind mutiger. Dicke Leute tragen keine zeltartigen Tuniken, sondern das, worauf sie Lust haben. Sie ziehen sich wirklich gut an. In Deutschland geht es oft darum, bloß nicht aufzufallen."


Katrin teilt auch viele tolle Bilder bei Instragram und lebt dort konsequent ein positives Körpergefühl vor.

Anke Helène
Online-Journalistin, Bloggerin, vegane Familienmama. Schreibt privat und beruflich über Ernährung, Gesundheit und Nachhaltigkeit. Probiert die Welt jeden Tag ein Stück besser zu machen – sei es durch verpackungsfreies Einkaufen oder 20 km tägliches Lastenradfahren. Färbt sich auch mit 30 die Haare noch knallorange und verschiebt das Erwachsenwerden auf Morgen. Alltagseinblicke und was bei der veganen Familie auf den Teller kommt: Mehr ...

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