Kissen mit Seele

Das kleine Interior-Label Lumikello fertigt einzigartige Kissen und Teppiche mit Stoffen aus zweiter Hand. Designerin und Wohnbloggerin Eva Kaiser im Interview über ökologisches Einrichten, soziales Engagement und einen Kreativberuf mit drei Kindern.

  • Interview: Rebecca Sandbichler
  • Fotos: Eva Kaiser, Lumikello
Foto: Eva Kaiser, Lumikello

Eva, du hast dich als Mutter von drei Kindern mit selbst gemachten Wohnaccessoires ins Unternehmerleben gestürzt: Wie oft kommt man da an den Rand des Wahnsinns?

Ich wäre, glaube ich, am Rande des Wahnsinns, wenn ich meine Arbeit nicht tun würde. Sie ist für mich kreatives Ventil und das, was ich schon immer machen wollte. Vieles ist eine Frage der Organisation. Anstrengend ist es natürlich auch, solange jedoch die Freude an der Arbeit überwiegt, mache ich weiter. Und die ist jedes Mal da, wenn ich mein Atelier betrete. Meine Familie unterstützt mich auch sehr.

Wie kamst du eigentlich überhaupt darauf, aus alten T-Shirts die heute bekannten Lumikello-Kissen zu fertigen?

Der Startschuss zu Lumikello war ein Kurs an der Volkshochschule, organisiert vom Amt für Abfallwirtschaft: „Stricken und Häkeln“ aus alten T-Shirts. Das hat mich dann nicht mehr losgelassen.

Du verwendest fast ausschließlich gebrauchte Textilien für deine Stücke. Warum?

Ich muss hier ehrlicherweise ein klein wenig korrigieren, denn Lumikello verwendet seit neuestem auch Recycling-Garne, die wir zukaufen – aber der Hauptteil und Markenzeichen von Lumikello sind nach wie vor alte T-Shirts und Bettlaken. Warum? Die Farben dieser Stoffe sind unvergleichlich und sehr inspirierend. Dazu kommt, dass wir unseren Kunden anbieten, die eigenen abgelegten T-Shirts zu verarbeiten. Last but not least wollen wir ein wenig dabei helfen, den Kleidermüllberg zu verkleinern. Wir brauchen Unmengen an Material und haben schon so manche Altkleidersammlung verarbeitet. Wir möchten auch ein Zeichen setzen und zeigen, dass aus Dingen, die man nicht mehr braucht, etwas Neues entstehen kann.

Wie sieht das kostentechnisch aus: Sparst du durch diese ökologische Methode auch beim Material?

Nein, wir sparen ganz bestimmt nicht: Das Aufarbeiten des Materials ist recht aufwändig. Die Stoffe müssen gewaschen und zu Garn geschnitten werden. Das machen wir von Hand. Wir können zum Beispiel auch keine Rabatte geben, wenn uns eigenes Material zum Verarbeiten geliefert wird, da die Verarbeitung so aufwändig ist. Um weiter wachsen zu können, haben wir uns daher auch entschlossen, bei einzelnen Projekten mitunter Textilgarn zu verwenden.

Wo findest du denn deine Stoffe – und worauf achtest du beim Einkauf?

Wir bekommen mittlerweile viel Material geschenkt. Für jedes Stück, das Lumikello gespendet wird, spenden wir wiederum bis zu 20 Cent an eine gemeinnützige Organisation. Eine zweite Quelle sind karitative Märkte, wo wir viele ausrangierte Stücke finden. Dabei achten wir darauf, dass wir hauptsächlich Kleidungsstücke verwenden, die niemand mehr braucht.

Übrigens ist auch das Innenleben von Lumikello-Kissen ganz nachhaltig: es besteht aus einer Maisfaser, die in Biobaumwolle eingenäht wird. Sie sind vollkommen biologisch abbaubar, für Allergiker geeignet und komplett mit dem Bezug in der Maschine waschbar.

Man kann bei dir auch eigenes Material verarbeiten lassen: Ist dir ein bestimmter Stoff besonders in Erinnerung geblieben?

Ein Auftrag, der mich wirklich bewegt hat, war der einer Kundin, die mir die Shirts ihrer verstorbenen Mutter schickte. Aus dieser Kleidung entstanden vier Kissen, die sie den Verwandten zu Weihnachten schenkte.

Euer Haus leuchtest du auch bei Instagram in wunderschönen Fotos aus: Wie wichtig ist dir auch bei der sonstigen Einrichtung die Ökologie?

Ich glaube für jeden, der Kinder hat, sollte Ökologie ein wichtiges Thema sein (für alle anderen natürlich auch). Dabei verstehe ich Ökologie vielleicht etwas anders: Ich lege großen Wert auf Langlebigkeit der Produkte. Lieber ein hochwertiges Möbelstück mehr kaufen, als seine Einrichtung alle zehn Jahre austauschen. Unser Sofa zum Beispiel wird alle zwei Jahre gereinigt und ist so ein langlebiger Klassiker, dass es uns sicherlich noch viele Jahrzehnte begleiten wird und immer wieder neu bezogen wird.

Es hört aber nicht bei der Einrichtung auf: Beim Umbau des Hauses haben wir viel in Wärmedämmung investiert und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert, mit der wir jetzt an schönen Tagen unser Stromauto tanken. Auf den Tisch kommt bei uns zu 90 Prozent Bioware.

Wenn man Einrichtungsmagazine durchblättert, stößt man auf sehr teure, exklusive Dinge. Faire und ökologische Produktion sind da aber nicht immer ein Thema. Wie geht es dir mit deinen Überzeugungen in der Welt der Interior-Blogs und -Magazine?

Teuer und exklusiv heißt für mich oft auch langlebig und somit nachhaltig. Auch wenn viele hochwertige Produkte (noch) nicht fair und ökologisch hergestellt werden, werden sie ja oftmals mit einem hohen Anteil an Handarbeit und Handwerkskunst und tollen Materialien hergestellt. Das ist doch immer noch besser als Billigware aus dem Möbelhaus um die Ecke. Aber Du hast schon Recht, es wäre schön, wenn auch bei den Produktionsbedingungen ein Umdenken stattfinden würde.

Wie könnte das gehen?

Das Problem ist, dass die Menschen, die sich diese Produkte leisten können, oftmals nicht so viel Wert auf faire und ökologische Produktion legen. Wenn der Markt – also wir Kunden – es nicht verlangen, wird sich wenig ändern. Mit Lumikello versuche ich ja, genau diese Brücke zu schlagen und zu beweisen, dass Upcycling und ökologisch wertvolle Produktion nichts mit Mottenkiste zu tun haben – und sehr modern und stylish sein können.

Du sagtest schon mal, dass du dich gern noch mehr sozial engagieren würdest: Hast du eine konkrete Idee, wie das mit Lumikello aussehen könnte?

Das ist ein ganz großer Wunsch von mir. Leider kann ich noch gar nichts Konkretes sagen. Wir unterstützen seit Anfang des Jahres die Jacobi-Stiftung finanziell. Ich suche aber immer noch nach einer Möglichkeit mit einer sozialen Einrichtung zusammenzuarbeiten oder ein Projekt in einem Entwicklungsland zu unterstützen. Ich weiß, dass dieses Projekt mich eines Tages finden wird. Für Vorschläge bin ich offen.

Was findest du nun mit Lumikello, was dir im vorherigen Berufsleben womöglich gefehlt hat?

Vor allem kann ich meine Kreativität und meine Liebe zum Interiordesign und Freude am Gestalten mit Farben ausleben. Natürlich ist es auch toll, mein eigener Chef zu sein und Vieles was ich in meinem bisherigen Berufsleben gelernt habe – das war sehr vielfältig – in meinem eigenen, kleinen Unternehmen anzuwenden. Das macht ganz viel Spaß.

Ihr findet Lumikello auch bei Facebook und Instagram. Dort teilt Eva auch ihre Wohn-Inspirationen und im Frühjahr die schönsten Magnolien-Bilder im ganzen Internet. Mindestens.

Eva Kaiser hat vor drei Jahren ihre kreative Leidenschaft zum Beruf gemacht: Mit ihrem Wohn-Label Lumikello verwandelt sie alte T-Shirts und Bettlaken in Teppiche und Kissen. Und das mit drei Kindern, zwei Hunden und drei eigenen Pferden...

Diese Themen
in der aktuellen
Ausgabe lesen: