Kühlschrank wechseln?

Ist es besser, einen effizientes Gerät zu kaufen? Oder sollte man den alten Gefrierschrank weiter nutzen? Wir klären das für euch.

  1. Autorin: Julia Groth
  2. Illustration: Carlo Zilch

Seit drei Jahren habe ich etwas in meinem Keller stehen, das mir latent ein schlechtes Gewissen verursacht. Es ist groß und schwer – ein Kühlschrank. Er hat die beste Energieeffizienzklasse und kommt trotzdem nicht zum Einsatz. Denn in der Wohnung, in die ich vor drei Jahren gezogen bin, gab es bereits einen Kühlschrank, ein altes, nicht gerade effizientes Modell.

Mit meiner Scheu, den Alten zu entsorgen, bin ich nicht alleine. Rund die Hälfte der Kühlschränke in deutschen Haushalten ist älter als zehn Jahre, etwa ein Drittel sogar älter als 13 Jahre, so das Freiburger Öko-Institut. Wäre es sinnvoll, sie alle gegen neuere Modelle auszutauschen? Nicht unbedingt. Studien geben Rat, wann es sich lohnt – finanziell und für die Umwelt.

Beim finanziellen Aspekt hilft der Bund der Energieverbraucher weiter. Die Lobbyorganisation hat eine Faustregel formuliert: Wenn der neue Kühlschrank 300 Euro kostet, sollte er pro Jahr mindestens 150 Kilowattstunden (kWh) weniger Strom verbrauchen als sein Vorgänger. Kostet er 600 Euro, sollte er 300 kWh pro Jahr einsparen. Ein Beispiel: Ein alter Kühlschrank frisst 400 kWh Strom pro Jahr. Kauft man für 400 Euro ein neues Gerät, das jährlich nur 200 kWh Strom verbraucht, spart man bei einer Laufzeit von zwölf Jahren und 30 Cent je kWh jedes Jahr 27 Euro – und hat damit den Kaufpreis fast wieder drin.

Nach zehn bis 15 Jahren
sollte man wechseln

Doch was für den Geldbeutel von Vorteil ist, muss nicht unbedingt auch gut für die Umwelt sein. Die Herstellung jedes neuen Kühlschranks kostet Ressourcen. Auch die Entsorgung alter Geräte belastet die Umwelt und sollte unbedingt einem Fachmann überlassen werden. Kühlschränke, die älter sind als zehn Jahre, enthalten oft den Ozon-Killer FCKW. Was also tun?

Ist ein Kühlschrank älter als zehn bis 15 Jahre, lohnt sich der Austausch unter Umweltgesichtspunkten auf jeden Fall, sagt das Öko-Institut – zumindest wenn das neue Modell die Energieeffizienzklasse A+++ hat. Diese Kühlschränke verbrauchen nicht einmal halb so viel Energie wie Geräte mit der Klasse A+, der mittlerweile schlechtesten Energieeffizienzklasse auf dem Markt. Durch den niedrigeren Stromverbrauch amortisiert sich der Energieaufwand, der zur Herstellung des Geräts nötig ist, spätestens nach zweieinhalb Jahren. Ist das alte Modell jünger als zehn Jahre, gleicht sich der Energieverbrauch der Herstellung dagegen erst deutlich später aus.

Separate Gefrierschränke fressen deutlich weniger Strom als eingebaute Eisfächer

Wer sich um die Umwelt sorgt, sollte zudem keinen Kühlschrank mit eingebautem Gefrierfach kaufen, sagen Experten des Öko-Instituts. Separate Gefrierschränke verbrauchen deutlich weniger Strom. Schön für mich! Denn das spricht dagegen, den neuen Kühlschrank aus dem Keller zu holen. In seinem Oberstübchen befindet sich nämlich ein großes Gefrierfach.

Julia Groth
Julia schreibt eigentlich vor allem über Finanz- und Geldanlage-Themen, dabei hat sie Skandinavistik, Germanistik und Philosophie studiert. Ein Allround-Talent, das stellt sie auch für Ö unter Beweis.   Mehr ...

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