Reise mit gutem Gewissen

Manche Touristen benehmen sich im Gastland rücksichtslos und ruinieren die Natur vor Ort. Reisebloggerin Beatrice Anton hat schon fast alle Kontinente bereist und verrät, wie man mit Land und Leuten respektvoll umgeht.

  1. Gastautorin: Beatrice Anton von Reisezeilen.de
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Die Anreise

Die Anreise

Züge und Busse sind für die Umwelt besser – und oft für den Geldbeutel die billigere Option – als ein Flugzeug. Bei kürzeren Strecken sollte man lieber auf einen Flug verzichten. Zusatzeffekt: man bekommt viel mehr von Land und Leuten mit.

Wenn ein Flug unumgänglich ist, kann man seinen CO2-Ausstoß kompensieren, indem man sich z. B. bei Atmosfair durch eine Spende an Klimaschutzprojekten beteiligt. Für einen kurzen Flug innerhalb Europa, etwa für Düsseldorf nach Oslo, fällt beispielsweise ein Spendenbetrag von 13 EUR an.

„Ein Kreuzfahrtschiff erzeugt pro Passagier und Reisekilometer
mehr als dreimal so viel CO2 wie eine Boeing 747.“

Noch klimaschädlicher als Flugzeuge sind übrigens Kreuzfahrtschiffe. Ich habe noch nie einen Fuß auf ein derartiges Schiff gesetzt und kann nicht wirklich nachvollziehen, dass diese Reiseart so wahnsinnig beliebt ist und offenbar immer populärer wird.

Die Schiffsmotoren werden vorwiegend mit Schweröl betrieben, das in Erdölraffinerien als Abfallprodukt anfällt. Ein Kreuzfahrtschiff erzeugt pro Passagier und Reisekilometer mehr als dreimal so viel CO2 wie eine Boeing 747. Bei der Verbrennung des Schweröls werden außerdem große Mengen an Feinstaub, Ruß, Schwefeldioxid und Stickoxid freisetzt. Besonders problematisch wird es dann, wenn diese klimaschädlichen Schiffe ausgerechnet in ökologisch besonders empfindlichen Naturlandschaften unterwegs sind. Laut der letzten Studie von NABU gibt es immer noch zu wenig Schiffe mit umweltfreundlicher Abgastechnik.

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Rumkommen.

Rumkommen.

Wann immer es möglich ist, bin ich innerhalb einer Stadt oder eines Ortes zu Fuß unterwegs. Ich bekomme viel mehr von der Umgebung mit und wenn ich keine Lust mehr auf den Rückweg habe, setzte ich mich in ein öffentliches Verkehrsmittel. Zur Orientierung nutze ich die Google Offline Maps, die ich auch ohne Internetverbindung unterwegs abrufen kann.

Wenn Du an ein Fahrrad kommen kann – umso besser. Ich habe es allerdings auch schon erlebt, dass man mich ganz merkwürdig angesehen hat, als ich nach einem Fahrradverleih gefragt habe. Es gibt Städte (z. B. Tbilisi), wo das Zweirad einfach kein erstzunehmendes Verkehrsmittel ist: Wer was auf sich hält, fährt dort Auto. Was einem aber als Tourist ganz egal sein kann…

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Bring dein eigenes Geschirr mit.

Bring dein eigenes Geschirr mit.

Ich habe immer meine Wasserflasche dabei, um nicht auf abgefülltes Wasser aus Plastikflaschen angewiesen zu sein. Allerdings ist das Leitungswasser an vielen Orten in der Welt nicht zum Trinken geeignet. In diesem Fall versuche ich, Trinkwasserstationen zu nutzen, die es schon in vielen Hotels und Hostels gibt.

Es gibt auch Trinkflaschen mit einem speziellen Filtersystem, etwa von LifeStraw.

Zusätzlich zur Wasserflasche habe ich immer ein größeres Taschenmesser und Reisebesteck dabei, falls ich irgendwo Picknick mache oder abends auf dem Zimmer noch einen Happen essen möchte. Damit bin ich nicht auf Plastikbesteck angewiesen.

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Wirf nichts weg.

Wirf nichts weg.

Wo es geht, versuche ich unnötige Verpackungen zu vermeiden. Wenn ich unterwegs auf Märkten oder an kleinen Ständen einkaufe, habe ich wie zu Hause eine Leinentasche dabei und verzichte auf Plastiktüten.
Auch wenn es im Reiseland schon vor Müll wimmelt, werfe ich nicht auch noch meinen Dreck dazu. Falls ich Abfall habe, den ich vor Ort nicht fachgerecht entsorgen kann, nehme ich Batterien beispielsweise wieder mit zurück nach Hause.

Dass man keine Hygieneartikel wie Tampons oder Feuchttücher in die Toilette wirft, ist logisch. In vielen Ländern Asiens und Zentral- oder Südamerikas verkraftet es die Kanalisation aber auch nicht, wenn man Toilettenpapier ins WC wirft. Dafür gibt es Eimer, die neben der Toilette stehen.

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Wasser sparen!

Wasser sparen!

In Ländern, die nur über wenig Wasser verfügen, gehe ich besonders sparsam damit um. Warmes Wasser war in der Mongolei Mangelware. Da war für mich oftmals Waschen mit eiskalten Wasser angesagt.

So merkt man erst, was für ein Luxus eine heiße Dusche ist.

In tropischen Ländern mit hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit kann man das Duschen sehr verkürzen, indem man sich nur kurz mit kühlem Wasser abbraust.

Das mit den Handtüchern im Hotel ist ein alter Hut, oder? Ich käme zu Hause nie auf die Idee, Handtücher nur einmal zu benutzen. Logisch, dass man das unterwegs auch nicht macht.

Wenn ich weiss, dass ich unterwegs öfters meine Sachen von Hand im Waschbecken waschen werde, nehme ich Seife und einen Universalstöpsel mit – so einen großen, weichen Gummistöpsel aus dem Baumarkt. Damit kann man jeden Abfluss verschließen und braucht dadurch weniger Wasser zum Waschen.

Die Klimaanlage schalte ich möglichst aus, es sei denn, es ist anders nicht auszuhalten. Das gilt auch für Ventilatoren oder dem Kühlschrank, der nicht laufen muss, solange man ihn nicht benutzt.

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Authentische Unterkünfte wählen

Authentische Unterkünfte wählen

Ich entscheide mich möglichst immer für kleine, familiär geführt Hotels. Ich mag es, wenn beim Frühstück Marmelade auf den Tisch kommt, die von der Besitzerin selbst gekocht wurde oder wenn der Hausherr höchstpersönlich die Eier in die Pfanne haut.

So viel Individualität bekommt man nur, wenn man landestypische Unterkünfte wählt. Klar kann es dann auch passieren, dass man nachts aus den Schlaf gerissen wird, weil das Baby der Inhaber im Zimmer nebenan lauthals schreit. Aber das ist mir allemal lieber als besoffenes Gegröle aus irgendeiner Hotelbar.

Ich will, dass mein Geld der einheimischen Bevölkerung zugute kommt
und nicht bei internationalen Hotelketten landet.

Es lohnt sich auch, bei NGO’s genau hinzuschauen: Es gibt viele engagierte Einrichtungen, die bewusst die lokale Bevölkerung einbinden, sich um bessere Löhne und Krankenversicherung kümmern und in eine gute Ausbildung der Menschen investieren. Was kann es Besseres geben, als solche Institutionen zu unterstützen?

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Respektiere die örtlichen Preise.

Respektiere die örtlichen Preise.

Verhandeln. Was bei uns unüblich ist, gehört in anderen Ländern zum üblichen Geschäftsgebaren. Mein Ding ist das Feilschen nach wie vor nicht, aber es hilft nichts. Auch wenn es manchmal anstrengend ist, sollte man sich an die gängige Praxis halten und im vernünftigen Maß verhandeln.

Dazu schaut man schon vor der Reise den genauen Wert der Landeswährung nach und behält ihn im Kopf. Auch sollte man sich vorher über das landesübliche Preisniveau informieren.

Was in Deutschland normal wäre, ist dabei nicht der entscheidende Faktor. Man könnte meinen, den Einheimischen einfach mehr zu bezahlen als eigentlich üblich ist, würde deren wirtschaftliche Situation verbessern. Es stimmt oft aber das Gegenteil.

Wenn durch Tourismus mehr Geld in einer Region unterwegs ist, erhöhen sich meist auch schnell die lokalen Preise und Händler fangen an, bevorzugt ihre Waren an Ausländer zu verkaufen. Das ist für Reisende nicht unbedingt ein Problem, aber die Bevölkerung muss auch überleben. Da sich durch einen steigenden Tourismus nicht automatisch die Kaufkraft der Einheimischen verbessert, leiden letztendlich die Menschen vor Ort unter der künstlichen Preisverschiebung.

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Tiere in natürlicher Umgebung beobachten.

Tiere in natürlicher Umgebung beobachten.

Er vor kurzem habe ich einen Artikel über die grausame Seite des Elefantentourismus geschrieben. Es gibt unzählige Beispiele, wo Tiere in inakzeptablen Umständen gehalten werden. Ich kann Reisende verstehen, die von diesen Tieren fasziniert sind und sich ihnen gerne nähern möchten. Genauso ist es nachvollziehbar, wenn lokale Anbieter diesem Bedürfnis Rechnung tragen. Aber für mich gehört es zu einem nachhaltigen Tourismus dazu, wenn sich nur noch Angebote durchsetzten, die nicht auf Kosten der Tiere gehen.

Es gibt sehr unterstützenswerte Einrichtungen, die sich für Tierschutz und den Fortbestand der Arten einsetzen oder misshandelten Tieren eine neue Heimat geben. Findet heraus, wo gute Arbeit geleistet wird und wo man besser fern bleibt. Außerdem gibt es doch nichts Großartigeres, als Wildtiere in der freien Natur zu beobachten.

Meiden würde ich Zoos, Zirkuszelte oder Delphinarien. Genauso wie alle Aktivitäten, bei denen Wildtiere vorgeführt oder dressiert werden und Besucher sie streicheln oder reiten dürfen.

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Iss nicht alles, was geht.

Iss nicht alles, was geht.

Iss keine gefährdeten Tierarten. Das können beispielsweise Schuppentiere, Schildkröten, Haifisch oder Roter Thunfisch sein. Auch Zubereitungsweisen, bei denen Tiere gequält werden, sorgen garantiert nicht für gutes Karma – eigentlich sollte einem da ohnehin der Appetit vergehen. Oder?

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Nicht jede gute Gabe tut Gutes.

Nicht jede gute Gabe tut Gutes.

Ich finde es selbst schwierig, mit bettelnden Menschen umzugehen, zumal es unmöglich ist, die tatsächliche Lage der Bettler einigermaßen realistisch einschätzen zu können. Hinzu kommt dass man in Ländern wie Indien an manchen Stellen kaum drei Schritte laufen kann, ohne angesprochen zu werden.

Auch kann Bettelei kriminelle Formen annehmen, in denen Behinderte, Frauen mit kleinen Babys oder Kinder rücksichtslos ausgenutzt werden, um Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Waisenhäuser sind leider ebenfalls oft nicht vertrauenswürdig und machen aus der Notlage der Kinder ein Geschäft. Sie nehmen Straßenkinder auf oder übernehmen sie sogar von den Eltern, um sich dann an den Spenden der Touristen zu bereichern.

Wer Kindern und generell bettelnden Menschen helfen will, sollte ihnen besser etwas zu Essen kaufen oder an ein vertrauenswürdiges Kinderschutzprojekt oder eine Hilfsorganisation spenden, die in dem jeweiligen Land aktiv ist.

Sechs Fragen an Beatrice Anton

Beatrice Anton vom Blog reisezeilen.de (Bild: privat)

Beatrice, auf deinem Blog Reisezeilen.de berichtest du oft über ferne Ziele. Hast du auch einen Lieblingsplatz in Deutschland, den du für eine Bahnreise empfehlen kannst?

Mein Tipp ist vielleicht überraschend, aber ich habe viele Jahre in Mannheim gelebt und kann nur sagen: Die Stadt wird unterschätzt. Man kann dort ganz hervorragend mit der Bahn hinfahren. Es gibt ein imposantes Schloss, eine interessante Innenstadt, die wie New York in Quadrate aufgeteilt ist, schöne Cafés, ein tolles Theater und viele Möglichkeiten zum Ausgehen. Außerdem ist man von dort sehr schnell in der Pfalz, wo man wunderbar wandern und zünftig einkehren kann.

Zum Beispiel?

Eines meiner Lieblingswanderziele ist das Lambertskreuz bei Neidenfels: ein Waldhaus im Pfälzerwald. Es ist also unmöglich, dort mit dem Auto hinzukommen. Man muss Wandern, Reiten oder mit dem Fahrrad fahren. Unterschiedliche Wanderwege führen aus verschiedenen Richtungen zum Lambertskreuz. Wer kein Auto hat, um zu den Wanderparkplätzen zu gelangen, kann aber auch von Mannheim bis Neidenfels mit der S-Bahn fahren und vom Bahnhof aus starten.

Du warst auch schon mehr als zwei Wochen zum Arbeiten auf einem Gnadenhof. Ist das vor allem eine anstrengende Erfahrung oder auch Entspannung?

Den ganzen Tag körperlich zu arbeiten und auf den Beinen zu sein, habe ich – da ich sonst viel am Laptop sitze – als sehr angenehm empfunden. Auf eine gewisse Art auch entspannend, denn man hat kaum Gelegenheit, sich dem täglichen Gedankenkarussel zu widmen. Das macht den Kopf frei und schafft Platz für neue Ideen. Ich habe auf dem Gnadenhof – ohne das so geplant zu haben – auch nur wenig Zeit online verbracht. Digital Detox sozusagen. Als Auszeit von meiner üblichen Arbeit, die als Blogger auch ständig an das Internet gekoppelt ist, hat mir das sehr gut getan.

In deinem Blog wird Tieren überhaupt sehr viel Beachtung geschenkt. Wie kommt das?

Ich war schon als Kind tierlieb und gerne draußen unterwegs. Das hat sich im Erwachsenenalter nicht geändert: Ich finde die Natur in ihrer Vielfalt und das Leben an sich faszinierend und beschützenswert. Das erstreckt sich auf alle Mitgeschöpfe – egal, ob Wildtier, Nutztier oder Haustier. Nach meiner Meinung haben wir Menschen eine große Verantwortung gegenüber unserer Umwelt und den Tieren. Ich versuche das in meinen Geschichten ein Stück weit zu zeigen.

Du warst zuletzt in Botswana und sagst selbst, deine Afrika-Liebe sei groß. Gerade wird die Wahrnehmung des ganzen Kontinents bei uns ja mal wieder von der Dürre und Hungerkrise in Ländern wie Somalia oder Ostafrika bestimmt. Wie geht es dir bei solchen Bildern?

Krisenbilder sind immer schlimm – egal, aus welchem Land sie stammen. Aber gerade was die Probleme angeht, habe ich das Gefühl, dass Afrika oft als ganzer Kontinent wahrgenommen wird, der aber in Wirklichkeit aus mehr als 50 Staaten besteht. Diese Länder sind oft sehr unterschiedlich, was Geschichte, Sprache, Kultur angeht. Sie haben mit verschiedenen Schwierigkeiten zu kämpfen – teilweise sehr ernsthaften – aber es gibt auch viele Erfolgsstories, Engagement, Fortschritt und schnell wachsende Wirtschaften. Ich denke also, was unsere Wahrnehmung der afrikanischen Länder angeht, ist es wichtig, genau hinzuschauen und zu differenzieren.

Wohin geht es für dich als Nächstes?

Ich war Anfang des Jahres in Tansania und zehre noch von den intensiven Erlebnissen. Ansonsten gibt es schon ein paar Planungen, die aber noch nicht ganz definitiv sind. Meist ergibt sich das bei mir eher kurzfristig. Ich würde zum Beispiel gerne im Trentino wandern gehen. Außerdem war ich schon lange nicht mehr in Asien unterwegs. Myanmar und Tibet interessieren mich ebenfalls sehr. Auch eine der Karibischen Inseln würde mich reizen – speziell, um die dortige Natur kennenzulernen.

Danke für deine nachhaltigen Reisetipps und weiterhin tolle Erlebnisse, Beatrice.

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