Online einkaufen?

Ist das ökologisch sinnvoll oder völliger Quatsch? Wir klären das für euch.

  1. Autorin: Rebecca Sandbichler
  2. Illustration: Carlo Zilch

Wenn der Postmann zweimal klingelt, habe ich ein schlechtes Gewissen. Der Briefträger bringt bei jedem Wetter unsere Bestellungen. Oft reicht kurz darauf auch noch ein Paketzusteller einen Karton über den Gartenzaun. Schnell ins Haus damit! Online-Shopping hat einen schlechten Ruf – trotzdem tun wir es regelmäßig. Weil wir drei kleine Kinder haben und sie nicht nach der Arbeit noch durch Geschäfte zerren wollen.

Ich rede mir ein, dass wir online immerhin bewusst einkaufen: Im Internet können wir Produkte besser nach ökologischen Kriterien vergleichen. Auch die Logistik dahinter ist vergleichsweise effizient. Ein paar Regale in einer Lagerhalle sind sparsamer als ein großer Elektronikhändler, bei dem alle Flachbildfernseher eine Löwen-Doku abspielen. Ganz zu schweigen von den Parkgaragen, Toiletten, Aufzügen und Rolltreppen, die ein Einkaufszentrum betreibt.

Große Kühlhäuser sind
ökologischer als Supermärkte

Ein durchschnittlicher Einzelhändler verbraucht laut Erhebung der Deutschen Energie Agentur bis zu 235 Kilowattstunden (KWh) Strom pro Quadratmeter Verkaufsfläche im Jahr. So mancher Supermarkt komme wegen der aufwändigen Kühlung und Beleuchtung sogar auf bis zu 480 KWh pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Moderne, große Kühlhäuser brauchen in derselben Zeit mit viel Warenumschlag rund 80 KWh pro Kubikmeter. Ein Supermarkt mit 940 Quadratmetern hat hingegen einen Jahresstromverbrauch von 140 Zwei-Personen-Haushalten. Trotz immer besserer Geräte – weil immer mehr Fertig-Gerichte im Sortiment sind und gekühlt werden müssen.

Ziemlich sicher vergrößert der wachsende Online-Handel jedoch die Müllproduktion: Im letzten Jahr wurden 2,9 Millionen Tonnen mehr Kartonagen weggeschmissen als noch 2014. Und was ist mit der Lieferung? Das gemeinnützige Öko-Institut rechnet mit einem CO2-Ausstoß von 700 Gramm pro Paket, DHL spricht von weniger als 500. Eine durchschnittliche, private Einkaufsfahrt ist sechs Kilometer lang und verursacht 2400 Gramm CO2, so das Öko-Institut. In Bezug auf unsere Bauernkiste bin ich beruhigt: Die Transportwege dieser regional produzierten Bio-Lebensmittel sind kurz, ihre Lagerzeiten ebenso.

Lange Versandwege –
ganz schlecht fürs Öko-Karma

Ob Online-Shopping die schlechtere Wahl ist, hängt von einem selbst ab: Geht man zu Fuß oder mit dem Fahrrad einkaufen? Dann sieht Online-Shopping daneben blass aus. Schuhe oder Kleidung werden gern in verschiedenen Größen bestellt und etwa zur Hälfte zurückgeschickt – ganz schlecht fürs Öko-Karma. Die Umweltbilanz ist nicht eindeutig, klarer ist die soziale Frage: Sollte ich mit meinem Geld nicht einen lokalen Händler unterstützen, der meine Stadt belebt, in der Region Steuern bezahlt und fair entlohnte Arbeitsplätze schafft? Meine persönliche Antwort dürfte Amazon nicht gefallen.

Rebecca Sandbichler
Die Tiroler Journalistin hat ihr ökologisches Gewissen erst spät entwickelt: 20 Jahre lang eine Liebhaberin von Fleisch, Käse und Co., wurde sie durch eine vegane Woche mit Studienfreunden moralisch bekehrt. Zumindest vorübergehend. Heute sind die seltenen tierischen Produkte in ihrem Fünf-Personen-Haushalt aber immerhin Bio. Mehr ...

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