„Ich bin nicht oberheilig“

Der Frontmann der Sportfreunde Stiller Peter Brugger über die Kunst, in politischen Songs den richtigen Ton zu treffen, und sein persönliches Engagement in Sachen Nachhaltigkeit.

  1. Aufgezeichnet von: Jakob Buhre
  2. Foto: Nina Stiller
Peter Brugger mit Vollbart und weißem T-Shirt. Foto: Nina Stiller

Fahre ich mit dem Auto oder dem Zug? Schaue ich, wo das Produkt herkommt, bevor ich es kaufe? Solche Fragen begleiten mich im Alltag permanent. Wobei es auch Momente gibt, in denen mir die Zeit fehlt. Oder in denen ich einfach zu faul bin. Ich bin nicht oberheilig.

Aber Fastfood esse ich seit über zehn Jahren nicht mehr – auch weil ich mich danach regelmäßig schlecht gefühlt habe. Ich achte heute sehr genau darauf, wie oft und was ich für Fleisch esse. Mir ist klar geworden, dass die niedrigen Preise nicht gut sein können und der Energieaufwand der Fleischproduktion enorm ist. Sehr lehrreich fand ich die Dokumentation „Ochs im Glas“, die mein Freund Ingo Pertramer gedreht hat. Für den Film haben sie einen Ochsen gekauft und dann den gesamten Prozess gezeigt, von der Tötung des Tiers bis zur Verwertung jedes einzelnen Stücks Fleisch als Konserven.

„Fastfood esse ich seit über zehn Jahren nicht mehr.“

Auf Tour hatten wir mal einen Veggie-Day eingeführt. Aber es ist ein Schmarrn, den Leuten das als Zwang aufzuerlegen. Für die Crew gibt es jetzt stattdessen immer eine vegetarische Option. Ich finde es nicht gut, wenn es dogmatisch wird. Dass uns als Band ein paar Leute zuhören, bedeutet nicht, dass wir überall unseren Senf dazugeben müssen. Natürlich beschäftigt uns, was in der Gesellschaft abgeht, sozial und politisch. Hier und da findet das auch den Weg in einen Song. Aber es ist eine große Kunst, den richtigen Ton zu treffen.

Bei der aktuellen Weltlage habe ich das Gefühl, dass Nachhaltigkeit und Umweltschutz etwas in den Hintergrund geraten. Ich hoffe, dass es in den USA ein Gegengewicht zu Trump geben wird. Klar, man könnte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, nach dem Motto „alles geht bergab“. Aber das ist die falsche Herangehensweise, weil jeder einzelne viel bewegen kann, durch kleine Aktionen. Und wenn man sich gegenseitig ansteckt, dann geht viel.

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