Bitte bloß nicht boosten!

Mehr Schichten für die Schönheit? Blödsinn: Zu viele Wirkstoffe schaden eher, als sie nutzen.

  • Autorin: Steffi Schmitz

In der Kosmetik wird seit geraumer Zeit alles „geboostet“: Lippen, Wimpern, Haut und Haare. „Klotzen statt kleckern!“ scheint das Motto zu sein, dabei geht es auch mit weniger Chemie, weniger überflüssigen Produkten und weniger Pflege-Tamtam. Das wiederum scheinen die wenigsten zu wissen.

In der Werbung wird immer dicker aufgetragen

Wie auch? Als Frau steht man vor dem Kosmetikregal vor der Frage, ob man „Supersize false lash“-, „Lovely Doll“- oder lieber „Colossal Spider“-Wimpern haben will. Mittlerweile hat jemand sogar spezielle Mascara nur für den unteren Wimpernkranz erfunden. Hiiiiiilfe!

Damit das Badezimmerregal noch voller wird, kommen regelmäßig Beauty-Neuheiten auf den Markt. Ganz ehrlich, wer braucht schon einen Primer, den man zwischen Tagescreme und Make-up auftragen sollte, damit das Ganze besser haftet? Mindestens genauso dick aufgetragen wird auch in der Werbung: „Ein Falten-Superfiller, der so wirksam ist wie eine 400 Euro Hyaluron-Injektion“, ein „Lip Pumping Gloss“ oder Bodylotions, die „sofort“ straffen und Cellulite „ausradieren“.

„The only way to be a female is just to be yourself.“

Die Naturkosmetik haut da weniger auf den Putz, weist zum Beispiel bei Anti-Cellulite-Produkten darauf hin, dass auch Sport und richtige Ernährung dazugehören, damit sich das Hautbild verbessert. Hier wird nicht mit Chemie getrickst. Silikone zum Beispiel sind tabu, dabei machen die ja dieses glatte, weiche Hautgefühl, legen sich aber in Wirklichkeit nur wie eine undurchlässige Schicht auf alles. Oder künstliche Duftstoffe wie Cinnamate, die zwar super riechen, aber Allergien auslösen können.

Viele Produkte sind ein einziger Chemie-Cocktail

Zwar haben die konventionellen Anbieter kosmetische „Bad Boys“ wie Parabene oder Aluminiumsalze größtenteils verbannt, doch andere Inhaltsstoffe (Emulgatoren, Konservierungsmittel, Farbstoffe, Lichtschutzfilter, Tenside) ergeben immer noch einen hübschen Chemie-Cocktail aus hochreaktiven Stoffen, die allergen oder hormonell wirken können.

Ganz ohne Chemie geht es auch in der Naturkosmetik manchmal nicht, zum Beispiel bei Tensiden in Shampoos oder Duschbädern. Hier kommen dann aber die sanfteren Varianten wie Kokos- oder Zuckertenside zum Einsatz.

Eine überpflegte Haut reagiert unangenehm

Apropos Cocktail: Kennt ihr „Layering“? Bei dieser von Japanerinnen mit Hingabe betriebenen Kosmetikprozedur werden in mindestens sieben Schritten verschiedene Pflegeprodukte Schicht für Schicht übereinandergelegt. Blöd, wenn sich dann die Konsistenzen und Wirkstoffe nicht vertragen.

Ihr könnt es einfacher und zeitsparender haben: Reinigen, Tonisieren, Pflegen ist die Faustregel und wer mag, der gönnt sich ab und zu ein Extra, zum Beispiel ein Peeling oder eine Maske. Einmal die Woche reicht. Das gilt nicht nur fürs Peeling, sondern auch für die Maske.

Denn eine überpflegte Haut kann aufquellen und glänzen. Weniger ist also doch mehr. Das weiß auch Nena, die neulich für kollektives Naserümpfen sorgte, als sie zugab, nur selten und meistens ohne Seife zu duschen. Nenas Haut tut das aber ganz offensichtlich ziemlich gut.

Steffi Schmitz
Eigentlich ist Steffi eine Radiotante, aber oft schreibt sie lieber statt zu reden. Privat Gedichte, beruflich viel über Naturkosmetik und Eco-Fashion. Dabei schaut sie auf einen großen Baum und freut sich als Naturschützerin über Stieglitze, Blaumeisen und Eichelhäher, die mitten in der Dortmunder City leben. Mehr ...

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