Wirklich Wasser sparen?

Muss man unbedingt auf jeden Tropfen achten? Wann der Geiz am Waschbecken Sinn hat – und wann nicht.

  1. Autorin: Rebecca Sandbichler
  2. Illustration: Sebastian Haslauer
Ein Mann mit Tattoos badet in einem Milchbad.

Ich dusche dank unserer neuen Sparbrause inzwischen fast mehr mit Luft als mit Wasser – völlig grundlos! Denn dieses Hygieneverhalten sei in wasserreichen Ländern sogar schädlich, schreibt der Ex-Spiegel-Redakteur Alexander Neubacher in seinem Buch „Ökofimmel“. Seit der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von fast 150 Litern Anfang der 90er auf etwa 120 Liter täglich zurückgegangen sei, wehe im Sommer regelmäßig Fäulnisgeruch durch die Straßen. „Halb Berlin liegt unter einer Gaswolke.“

Der Grund: Das Wasser fließt nicht mehr ab und Ablagerungen von Das-wollen-wir-gar-nicht-so-genau-wissen gären vor sich hin. Unsere Rohre sind auf etwa 200 Liter pro Kopf ausgelegt, auch damit in der Halbzeit des Fußball-Finales keine Fäkal-Explosion die Leitungen bersten lässt. Der Bund der deutschen Wasserwirtschaft bestätigt, dass manche Betriebe zuweilen die Leitungen mit frischem Trinkwasser spülen müssen, um Schäden durch Schwermetalle und Säuren zu verhindern.

Geld spare ich ebenfalls nicht: 80 bis 90 Prozent der Wasserkosten haben mit Investitionen in die Infrastruktur zu tun, Fixkosten, die sich bei weniger Wasserverbrauch einfach pro Kubikmeter erhöhen. Den Menschen in den trockenen Regionen der Welt sei so auch nicht zu helfen, sagt Neubacher: „Die Chancen, einen Hirsebauern in der Sahelzone an unser Wassernetz anschließen zu können, sind gleich Null.“ Wir könnten also ganz ohne schlechtes Gewissen den Wassersprenger anwerfen.

Aber Trinkwasser bleibt kostbar – und ein Sparduschkopf ist auch keine Erfindung für Idioten. Wir sollten Warmwasser sorgsam einsetzen, weil es rund 12 Prozent unseres jährlichen Energieverbrauchs ausmacht: Wenn wir ein Vollbad von 140 Litern einlassen, benötigen wir etwa 3,5 Kilowattstunden Strom. Damit könnte man mit einem sparsamen Duschkopf siebenmal eine dreiminütige Dusche genießen.

Wasser versteckt sich auch in Produkten und in ihrer Herstellung

Und dann gibt es noch das „virtuelle Wasser“, das in den von uns genutzten Produkten steckt: 117 Milliarden Kubikmeter Wasser wurden 2010 für das Leben der Deutschen weltweit verbraucht und wir importieren 60 Milliarden Kubikmeter mehr als wir indirekt durch Exporte hergeben.

Unsere Wasserverschwendung haben wir ausgelagert. Baumwolle aus Burkina Faso, ein Strandurlaub in Portugal, südspanische Erdbeeren – dafür wird viel Wasser gebraucht, das in solchen Regionen nur spärlich vorhanden ist. Darum sollten wir Kleidung länger tragen, im Urlaub tatsächlich Wasser sparen und keine Lebensmittel wegwerfen, empfiehlt das Bundesumweltamt. Es ist auch nicht egal, was wir essen: Ein Kilo Rindfleisch verbraucht 75 Badewannen voll Wasser, um ein Kilo Kartoffeln zu züchten, benötigt man nicht mal eine. Immerhin: Unser Planschbecken wird jetzt wieder randvoll.

Rebecca Sandbichler
Die Tiroler Journalistin hat ihr ökologisches Gewissen erst spät entwickelt: 20 Jahre lang eine Liebhaberin von Fleisch, Käse und Co., wurde sie durch eine vegane Woche mit Studienfreunden moralisch bekehrt. Zumindest vorübergehend. Heute sind die seltenen tierischen Produkte in ihrem Fünf-Personen-Haushalt aber immerhin Bio. Mehr ...

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