Bestes Öl vom eigenen Hain

Marc und Amadeus verbringen jeden Spätherbst auf und unter griechischen Bäumen, um Oliven für ihr eigenes Öl zu ernten. Und auch alles andere bei „OEL Berlin“ machen sie selbst: von der Fertigung bis zum Produktdesign.

  1. Autorin: Lisa Völker
  2. Fotos: OEL Berlin
Marc Vincent Schmidt bei der Olivenernte.
Marc bei der Olivenernte

Ihr fahrt jedes Jahr im November auf euer Land in die Kleinstadt Meligalas in Griechenland und packt selbst bei der Olivenernte mit an. Wie können wir uns die Arbeit dort vorstellen?

Amadeus: Hart. So kann man sie sich vorstellen.

Gerade bei der Produktion von Bio-Olivenölen gibt es sehr genaue Vorschriften, wie man zu arbeiten hat. Da wir im Bio-Programm des griechischen Dachverbands sind, müssen wir Großteile der Produktion von Hand erledigen. Erst in der Ölmühle, wo aus den Oliven Öl wird, kommen Maschinen zum Einsatz. Vorher brauchen wir also einige helfende Hände – das regeln wir über viele Freiwillige, interessierte Freunde, die Teil der Erfahrung sein möchten, Erntehelfer, Familie und natürlich uns selbst.

Ein Arbeitstag beginnt dann meist sehr früh. Wir fahren aufs Feld, dort schlagen und kämmen wir Oliven aus den Bäumen und schneiden gleichzeitig die Äste. Die Oliven sammeln wir am Boden in Netzen, die wir regelmäßig in Erntesäcke entleeren. Am Ende eines Tages schnüren wir die dann zu, verladen sie und bringen sie zur Ölmühle. Dort gelangen die Oliven über Waschstraßen in Maischebehälter. Darin entsteht ein Brei, der nach langem Drehen in die Zentrifuge geht. Unter der Zentrifugalkraft trennen sich alle Teile voneinander und am Ende kommt frisches Öl heraus.

Marc Vincent Schmidt und Amadeus Soterios Tzamouranis von OEL Berlin.
Marc Vincent Schmidt (unten) und Amadeus Soterios Tzamouranis sind Autodidakten – sie haben weder Ausbildung noch Studium, aber viel Leidenschaft für Landwirtschaft und Kreativität.

Was macht ein perfektes Olivenöl aus?

Marc: Es ist nahezu unmöglich, das pauschal zu beantworten. Es wäre so, als würde man fragen, was den perfekten Wein ausmacht. Wichtig zu wissen ist, dass es weit mehr als 150 bekannte Olivensorten gibt, aus denen man Öl machen kann. Jede äußert sich als Öl unterschiedlich im Geschmack und der hängt auch noch davon ab, wo und wann man erntet. Es gibt aber meiner Meinung nach ein paar wichtige Faktoren, auf die man beim Kauf achten sollte:

- Den Säuregehalt. Alles unter 0.5% ist wirklich nativ extra. Die höchste Kategorie „nativ extra“ oder „extra virgin“ ist empfehlenswert!

- Den Preis. Das heißt nicht, dass teuer automatisch gut ist. Aber Öle, die für 3,99€ angeboten werden, taugen mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit nichts.

- Das Abfülldatum. Sollte keines ausgewiesen sein, ist Skepsis angebracht.

- Öle mit Begriffen wie „Erzeugnis der Gemeinschaft“ vermeiden! Sollte das oder Ähnliches auf dem Etikett des Öls stehen, ist damit nicht die Gemeinschaft eines Dorfes oder einer Region gemeint, sondern die gesamte Europäische Union. Es ist zulässig, Öle aus der ganzen EU zu mischen und unter einem Namen zu vermarkten. Keiner kann jedoch dann noch nachvollziehen, welches Öl von wo und wem kommt und was es beinhaltet.

Euer Olivenöl hat eine besonders stylische Verpackung, wie ich finde: einen Kanister. Nur ein Frauenkopf weicht das sonst sehr minimalistische Design auf. Wer ist das?

Amadeus: Das ist meine Oma. Und du hast Recht: Wir brauchten etwas, um unser sehr cleanes Design aufzulockern, und wollten gleichzeitig eine Verbindung zu Familie, Griechenland und Tradition herstellen. Meine Großmutter verkörpert das alles für mich – auch als Emblem. Vor allem war sie gerade in unseren Anfängen eine große Hilfe. Auf unserer Website haben wir es wie folgt beschrieben: „Die Wahl ihres Portraits zum Emblem und damit Kernstück unseres Designs ist Danksagung, Huldigung und Rückbesinnung auf selten gewordene Werte in einem.“ Treffender könnte ich es nicht noch einmal sagen.

OEL Berlin Kanister mit Großmutter
„OEL Berlin“ setzt optisch aufs Schlichte.
So grün ist das Ergebnis der Ernte: das „OEL“.

Ihr seid ja schon seit der Schule befreundet. Kommt es euch bei der Arbeit zugute, dass ihr euch so gut kennt?

Marc: Es ist natürlich eine gute Basis. Aber noch lange keine Garantie für eine reibungslose Geschäftsbeziehung. Es bedarf immer einer sehr, sehr guten Kommunikation. Wir haben etwa trotz der Freundschaft alles bis ins Kleinste definiert und schriftlich oder gar vertraglich festgehalten. So weiß jeder, was er vom anderen zu erwarten hat.

Eure Lebensläufe sind extrem vielseitig: Wasserfilter-Vertreter, Bäcker und Bauarbeiter waren nur ein paar eurer Jobs nach der Schule. Bei dem gemeinsamen Unternehmen OEL Berlin scheint ihr voll aufzublühen und euch ganz einer Sache zu widmen. Wie fühlt sich das an?

Marc: Überraschend gut. Ich glaube wir haben uns vorher beide schwer damit getan, weitergehende Entscheidungen für unsere Leben zu treffen. Keiner von uns hat sich dazu durchgerungen, ein Studium anzufangen. Wir sind gut damit gefahren, von heute bis morgen zu denken und dementsprechend zu leben. Aber mit der Idee zu OEL haben wir einen gemeinsamen Nenner gefunden, etwas, das uns beiden zusagt, für uns Sinn ergibt und Motivation erzeugt. Wenn das, was man vor Jahren gesät hat, dann auch noch Früchte trägt – umso besser!

Amadeus Soterios Tzamouranis mit einer Motorsäge
Amadeus ist ausgerüstet für den Baumbeschnitt.

Ihr wirkt wie Naturburschen, lebt aber beide in Berlin. Wie schafft ihr es, auch in der Großstadt regelmäßig Natur „zu tanken“?

Marc: Wir müssen ja regelmäßig nach Griechenland. Dort tanken wir auf. Dann sind wir eigentlich pausenlos draußen, im Hain, besuchen Freunde oder Verwandte oder helfen im Garten der Familie. Gepaart mit der Sonne, dem Essen und einer gewissen Leichtigkeit heilt das so einige Wunden, die hier während langer, kalter und dunkler Winter in Berlin entstehen. Berlin im Sommer ist dann wieder ein anderes Thema – wenn man nur die Zeit hätte!

Welche drei Dinge dürfen bei einem perfekten Dinner nicht fehlen? Euer Olivenöl mal ausgeschlossen.

Beide: OEL ist ausgeschlossen? Hmm.
Amadeus: Wein.
Marc: Gute Freunde.
Beide: OEL.

Marc und Amadeus haben übrigens auch Profile bei Facebook und Instagram, insbesondere Letzteres können wir empfehlen – wir schauen den Jungs gern beim Arbeiten zu. Auch in diesem schwer ästhetischen Video über die Herstellung des OEL.

Lisa „Litchi“ Nora Völker
Die Wahlberlinerin vom Bodensee liebt die Natur und hat ein Faible für Design und Mode. In ihrem Onlineshop „Look of Litchi“ verbindet sie diese Interessen mit ihrer Leidenschaft fürs Schreiben. Ob handgemacht, vegan oder innovativ – sie ist immer auf der Suche nach besonderen Produkten und den außergewöhnlichen Menschen dahinter. Mehr ...

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