„Ich wünsche mir würdevolles Töten“

Lea Trampenaus Herzensthema ist der Kugelschuss auf der Weide. Sie trägt die dahinter stehende Philosophie in die Welt und verkauft entsprechende Erzeugnisse in ihren Foodtrucks „Goldburger“. Hier erzählt sie, warum ihr das so wichtig ist.

  1. Protokoll: Mira Eggerstedt
  2. Fotos: Yelda Yilmaz
Leas „Goldburger“ sind nicht nur aus Biofleisch. Ihr ist es auch wichtig, dass die Tiere dafür möglichst würdevoll sterben können.
Lea Trampenau, 42, macht Öffentlichkeitsarbeit und berät Betriebe, Veterinärbehörden und Interessierte rund um den Kugelschuss auf der Weide. Hier steht sie in ihrem Foodtruck.

„Ich war Tieren schon als Kind in besonderer Weise verbunden. Während meiner gärtnerischen Ausbildung auf dem Land beobachtete ich, wie der Nachbarbauer alle paar Monate seine Schweine nachts in den Viehtransporter zur Schlachtung trieb und regelmäßig tote Schweine in der Schubkarre vor dem Stall für den Abdecker bereit standen. Damals entschied ich, das Denken, Fühlen und Handeln der Bauern verstehen zu wollen und studierte ökologische Agrarwissenschaften.

Zum Ende des Studiums erkannte ich, dass auch Biotiere auf herkömmliche Art und Weise auf dem Schlachthof getötet werden. Das war nicht in meinem Sinne und ich habe keinen anderen Ausweg gesehen, als mich selbst dem Thema Schlachtung zu stellen, und habe meine Diplomarbeit der Thematik gewidmet: „Alternative Schlachtmethoden zur Verringerung der Furcht von Rindern.“

Ich habe also schon viele Schlachtungen erlebt – so eben auch den Kugelschuss auf der Weide. Das Rind durfte ganz ohne prämortale Belastungen bis zum Schuss in der Herde sein. Das Geschoss traf aus geringster Distanz direkt in den Kopf und tötete das Tier sofort. Die Ruhe, die dieser Moment in sich trug, beeindruckte mich nachhaltig. Ich beschloss, diese Methode publik zu machen und dafür Sorge zu tragen, dass möglichst viele Tiere dort, wo sie leben, auch getötet werden.

„Das Geschoss traf direkt in den Kopf und tötete das Tier sofort. Die Ruhe, die dieser Moment in sich trug, beeindruckte mich nachhaltig.“

Deshalb entwickelte ich mit der Uni und Schlachtbetrieben einen Transport- und Entbluteanhänger, den ich bis heute vertreibe. Und ich führe Seminare zur tierschutzgerechten Rinderschlachtung, halte Vorträge und engagiere mich politisch. Außerdem habe ich zwei Foodtrucks und eröffne in Kürze einen Laden in Lüneburg. Das Fleisch für meine Burger stammt ausschließlich von Rindern die ganzjährig im Freien leben und auf der Weide getötet werden. Ich habe größte Ehrfurcht und tiefsten Respekt vor allen Lebewesen. Und wünsche mir, dass auch die Tötung entsprechend würdevoll durchgeführt wird.“

Ihr seht es anders als Lea? Vielleicht findet ihr, wir sollten gar keine Tiere töten – egal wie? Oder ihr denkt, es geht auch anders? Sagt uns eure Meinung! Für jeden Beitrag bei Facebook oder Instagram mit dem Hashtag #istmirnichtwurst, der auf @oewirmoegensoeko verlinkt, spenden wir 2 Euro an den BUND, der sich mit vielen Projekten gegen Massentierhaltung einsetzt. Mehr Infos hier.
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Mira Eggerstedt
Als Achtjährige hat Mira abends heimlich eine Doku über Tierhaltung gesehen. Das Leid der fettgezüchteten Hühnchen wird sie nie vergessen. Seitdem: kein Fleisch mehr. Respekt an ihre Eltern, die das von Anfang an super fanden – denn in den 90er-Jahren waren Vegetarier noch Exoten. Ihr Entschluss hatte unzählige Diskussionen und ihre Liebe für Pommes zur Folge. Denn die waren lange das einzige, was sie als Veggie im Restaurant bestellen konnte. Mehr ...

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