Sauber verschifft

Container- und Kreuzfahrtschiffe sind Klima-Killer. Windschiffe wären eine Alternative. Doch solange Öl so billig bleibt, haben sie es schwer.

  1. Autorin: Rebecca Sandbichler
  2. Fotos: Fairtransport und Nabu

Wenn der Wind kräftig Richtung Küste bläst, muss der Kapitän der Tres Hombres vorsichtig steuern. Denn kein Motor kann seiner Crew und dem alten Segelfrachter in gefährlichen Momenten ­helfen. „Wir haben bewusst keinen eingebaut, um nicht in Versuchung zu kommen“, sagt Andreas Lackner, Mitgründer der niederländischen Nischen-Reederei Fairtransport. Das saubere Frachtschiff ist momentan mit europäischen Waren über den Atlantik bis in die Dominikanische Republik unterwegs: Mit Rum, ­Kakao und Kaffee beladen, wird die Tres Hombres nach rund fünf Monaten wieder in der Hafenstadt Den Helder in Nordholland ankommen.

Ihre Fracht entlädt die Crew mühsam von Hand: 35 Tonnen oder etwa 50 Europaletten transportiert der Zweimaster maximal. Zum Vergleich: Das aktuell größte Containerschiff der Welt kann 21.400 Standardcontainer mitnehmen.

Der Segelfrachter Tres Hombres neben Containern.
Die Tres Hombres ist in der weltweiten Flotte aller Schiffe ein Exot: Der Frachtsegler transportiert seine Ware allein mit Windkraft und ohne Motor übers Meer.

Kleine Segelfrachter wie die Tres Hombres sind Exoten in einer weltweiten Flotte von rund 90.000 Schiffen. Die Gründe: Wann sie ankommen, hängt vom Wetter ab. Und der umweltschonende Transport kostet Partner wie die Rostocker Weinhandlung Schollenberger etwa drei- bis viermal höhere Gebühren. „Unsere Kunden bezahlen den wahren Preis“, protestiert Lackner, der auch nach weiteren Auftraggebern sucht. „Natürlich ist es billiger, die Luft zu verpesten und die Meere zu verschmutzen.“

Klimaziele gelten nicht für Schiffe

Dabei wird der Seeverkehr wegen des wachsenden Welthandels vermutlich jährlich um bis zu zwei Prozent ansteigen. Schon jetzt ist er laut der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) für fünf Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Ohne zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen könnten sie sich bis 2050 verdreifachen. Dennoch gelten die Ozeanriesen als effizient: Pro Kilogramm Frachtgut und Kilometer stoßen sie von allen Transportmitteln am wenigsten CO2 aus. „Das Verhältnis von Masse und Strecke zur benötigten Antriebsenergie ist konkurrenzlos. Bei einem Flugzeug brauchen Sie schon rund die Hälfte des Treibstoffs allein, um in der Luft zu bleiben“, erklärt der ehemalige Schiffsbauingenieur Peter Schenzle. „Werden Schiffe allerdings zu schnell, bremsen große Wellen sie ab“, sagt er. „Das ist, als würde ein Lastwagen ständig bergauf fahren.“ Schnelle Containerschiffe oder die Mittelmeer-Fähren seien dann mit Flugzeugen im CO2-Ausstoß durchaus vergleichbar.

Schenzle beschäftigt sich seit fünfzig Jahren mit Windschiffen als ökologische Alternative. Er kritisiert seine Branche auch für die giftigen Stickoxide, Schwefeloxide und Rußpartikel, die sie in die Hochseeluft pustet. Außerhalb von speziellen Schutzzonen verbrennen Schiffe vor allem billiges Schweröl mit einem Schwefelgehalt von bis zu 3,5 Prozent. Erst ab 2020 wird die Grenze weltweit bei 0,5 Prozent liegen. „Schweröl ist eigentlich der Sondermüll der Ölindustrie“, sagt Schenzle. „Das ist so dreckig, dass es noch an Bord in einer Zentrifuge vorgereinigt oder fein gemahlen werden muss, damit die Einspritzdüse des Motors nicht verstopft.“

Kreuzfahrtschiff stößt dunkle Abgase aus
Die Abgase von Kreuzfahrtschiffen sind nicht so sauber wie die Pools an Deck.

Auch die Abgase von Kreuzfahrtschiffen sind keineswegs so sauber wie deren glitzernde Pools an Deck. Jedes Jahr veröffentlicht der Naturschutzbund Deutschland sein „Kreuzfahrtranking“.  2017 fasst Verkehrsexperte Christoph Oeliger die Ergebnisse so zusammen: „Umweltfreundliche Kreuzfahrtschiffe gibt es nicht.“ Zwar gilt auch für sie in Schutzzonen wie der Nord- und Ostsee eine Grenze von 0,1 Prozent Schwefelgehalt im Treibstoff. „Aber Rußpartikelfilter oder andere wirksame Abgasnachbehandlungen sucht man auf den meisten Schiffen vergeblich“, sagt Oeliger. Dabei müsste die Branche dank guter Geschäfte mehr tun, findet er. 2018 setzt AIDA immerhin das weltweit erste Kreuzfahrtschiff mit Liquified Natural Gas (LNG) als Treibstoff ein und verspricht „eine hundertprozentig saubere Kreuzfahrt“.

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Rebecca Sandbichler
Die Tiroler Journalistin hat ihr ökologisches Gewissen erst spät entwickelt: 20 Jahre lang eine Liebhaberin von Fleisch, Käse und Co., wurde sie durch eine vegane Woche mit Studienfreunden moralisch bekehrt. Zumindest vorübergehend. Heute sind die seltenen tierischen Produkte in ihrem Fünf-Personen-Haushalt aber immerhin Bio. Mehr ...

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