Saubere Sache

Jeanette stellt ein Set her, mit dem ihr einfach all eure Reinigungsmittel selbst herstellen könnt: den Sauberkasten.

  1. Interview: Daniela Nickel

Jeanette, der „Sauberkasten“ ist ein Set mit sechs Zutaten zum Selbermachen von Reinigungsmitteln. Ketzerisch gefragt: Könnte ich die nicht alle einzeln selbst kaufen?

Klar könntest du. Ich habe es probiert. Aber ehrlich: Mir war es zu aufwendig, funktionierende Rezepten zu recherchieren und dann Geschäfte nach den einzelnen Zutaten zu durchstöbern. Das Problem dabei ist außerdem, dass man die benötigten Mengen nur schwer findet. Natron etwa gibt es oftmals nur in kleinen Abpackungen. Gerade für Einsteiger ist der Sauerkasten daher eine große Erleichterung.

Außerdem haben wir festgestellt, dass Reiniger sich nicht optimal anmischen lassen, wenn Kernseife mit Palmölanteil verwendet wird. Also gibt es bei uns eine palmölfreie Seife, die sogar vegan ist. Im Durchschnitt reichen unsere Zutaten für die selbstgemachten Reiniger mindestens sechs Wochen. Und wenn sie leer sind, können sie in unserem Onlineshop ganz einfach nachbestellt werden.

Jeanette Schmidt (m.) und Henriette „Jette“ Grewling (r.) haben Sauberkasten gegründet und kennen sich seit der Grundschule. Neben ihrem Start-up widmen sie sich noch Studium und Referendariat. Ihre Freundin Nina Schönfeld kümmert sich ums Marketing.

Für manchen Skeptiker mag das kompliziert klingen. Was sind die Vorteile gegenüber konventionellen Putzmitteln?

Man weiß einfach sehr genau, was drin ist. Bei uns sind das nur sechs Zutaten: Essig, Natron, Soda, Kernseife, Zitronensäure und ätherische Öle. Mit diesen sechs bewährten Hausmitteln können insgesamt zehn verschiedene Reiniger für den gesamten Haushalt hergestellt werden, vom Wasch- und Spülmittel über den Glasreiniger bis hin zum Abflussreiniger. Die meisten Rezepte sind so konzipiert, dass sie auf Vorrat in Flaschen und Behälter abgefüllt werden können.

Wir möchten mit dem Sauberkasten erste Anreize schaffen, um das Reinigungsverhalten allgemein zu überdenken. Dabei wollen wir den Leuten nicht mit erhobenem Zeigefinger sagen, was an Reinigungsmitteln alles schlecht ist. Das bringt meistens nicht viel Veränderung. Mein Anliegen war es eher, zu einer anderen Handlungsweise zu motivieren. Deshalb benutzen wir keine aggressiven Chemikalien und die Inhaltsstoffe unserer Reiniger sind natürlichen Ursprungs oder biologisch abbaubar. Daher sind die selbst hergestellten Reiniger umweltfreundlicher und gesundheitsverträglicher als herkömmliche Reiniger. In Haushalten mit Allergikern, Kindern oder Tieren ist das natürlich besonders wichtig.

Ihr habt die Rezepte eigens für den Sauberkasten entwickelt, das war sicher eine ziemliche Tüftelei. Ist dabei auch mal was schiefgegangen?

Wir haben die Rezepte gemeinsam mit einer befreundeten Biochemikerin entwickelt. Dabei haben wir viel ausprobiert und getestet. Vor allem die richtige Kernseife hat uns lange beschäftigt, da Wasch- und Spülmittel mit ungeeigneter Zusammensetzung der Seife ständig fest wurden. Dafür haben wir nun viele kleine Gläschen mit festen Reinigern zu Hause herumstehen. Die eignen sich aber zum Glück ganz gut zum Vorbehandeln von fiesen Flecken.

Und so sehen die fertig gemischten Reinigungsmittel aus.
Und so sehen die fertig gemischten Reinigungsmittel aus.

Welche Rolle spielt Umweltschutz allgemein in eurem Unternehmen?

Bei der Auswahl unserer Lieferanten war uns vor allem wichtig, wo die Ware herkommt und dass wir einen regionalen Bezug schaffen können, sodass der Transportweg der Ware nicht all zu lang ist. Auch der persönliche Kontakt zu den einzelnen Händlern liegt uns sehr am Herzen. Die Verpackungen, die wir dem Kunden liefern, sind so umweltschonend und minimalistisch wie möglich. Allerdings kämpfen wir noch dafür, dass die Ware im Vorfeld auch mit möglichst wenig Verpackung bei uns ankommt. Unser Unternehmen hat sich erst aus dem Umweltschutzgedanken heraus gegründet, also hat er auch den höchsten Stellenwert für uns. Da wo es möglich ist, geben wir alles, um die Umwelt zu schützen. Innerhalb unserer Heimatstadt Leipzig etwa, werden die Sauberkästen mit Lastenrädern versendet.

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, sind uns allerdings auch soziale Aspekte sehr wichtig. Deshalb arbeiten wir eng mit der Lebenshilfe Leipzig, einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, zusammen. Dort werden viele Arbeitsschritte in der Produktion des Sauberkasten übernommen.

Und ihr hattet das Glück, ein „Sozial & Gründer“-Stipendium des Social Impact Lab Leipzig zu erhalten.

Das Stipendium war wirklich ein Glücksgriff. Wir konnten acht Monate lang den Co-Working-Space und alle Räumlichkeiten im Lab kostenlos nutzen, an vielen tollen Workshops und Coachings teilnehmen und von dem Netzwerk des Labs profitieren. Gemeinsam als Team haben wir den ersten Prototypen aus meinem Studium getestet und komplett überarbeitet. Auf dieser Grundlage haben wir ein Geschäftsmodell entwickelt und dabei den Social Impact unseres Unternehmens oft hinterfragt. In erster Linie möchten wir nämlich ein Umdenken anstoßen. Ich habe während der gesamten Entwicklungsphase wahnsinnig viel dazu gelernt – auch über mich selbst.

Das sind die Zutaten, die im Sauberkasten dabei sind.
Das sind die Zutaten, die im Sauberkasten dabei sind.
Ein Rezeptbuch gibt es auch dazu.
Und ein Rezeptbuch gibt es auch dazu.

Hinter der Idee zum Sauberkasten steht der Ansatz, Menschen Lösungen zu bieten, statt sie schlicht auf ihr Problem aufmerksam zu machen. Erlebt ihr da einen Wandel und erreicht mit der Idee auch Menschen, die sich vorher noch nie mit alternativen Putzmitteln beschäftigt haben?

Ja. Wir merken, dass Verbraucher die Inhaltsstoffe der Produkte hinterfragen und nach Alternativen suchen. Viele Leute haben uns erzählt, dass sie schon immer mal selbst einen Reiniger machen wollten, es aber bisher noch nicht geschafft haben. Und genau dort setzen wir mit dem Sauberkasten an. Wir möchten, dass die Menschen ihre Vorhaben auch in die Tat umsetzen. Andere wiederum wussten noch gar nicht, dass man Reiniger zu Hause selbst herstellen kann und sind ganz begeistert, wie einfach das im Grunde ist – sie geben uns viel positives Feedback.

Was kannst du anderen Leuten mit auf den Weg geben, die selbst an nachhaltigen Innovationen arbeiten?

Man geht ständig durch Höhen und Tiefen. Jeden Tag wartet eine neue Herausforderung. Das ist sehr aufregend, kann aber manchmal auch echt anstrengend sein. Man sollte sich zwingen, Pausen zu machen, gelegentlich Abstand gewinnen und seine Freizeit bewusst einplanen. Wie oft wollte ich schon das Handtuch werfen, wenn es da nicht tolle Menschen gäbe, die mich immer wieder ermutigen. Also: nicht aufgeben, sondern weitermachen!

Auf sauberkasten.com könnt ihr euren eigenen Sauberkasten bestellen und die gesamte Produktion eines Sauberkastens in witzigen Blogartikeln nachlesen. Weitere Impressionen direkt aus der Hand des sympathischen Leipziger Teams findet ihr auf bei Facebook und Instagram. Und pssst: Unter allen, die bei unserer aktuellen Instagram-Challenge mitmachen, verlosen wir auch einen Sauberkasten.

Daniela Nickel
Daniela ist unsere Online-Redakteurin mit waschechter Berliner Schnauze. Wenn sie nicht gerade mitten in einem groß angelegten Bastelprojekt steckt, wuselt die leidenschaftliche Naschkatze wahrscheinlich beim Backen in der Küche herum. Mehr ...

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