Endlich nachhaltige Yogamatten

Anna und Sophie sind begeisterte Yoginis, die ihre Übungen nicht länger auf Plastikmatten machen wollten – und deshalb das Start-up „Hejhej-Mats“ gegründet haben.

  1. Interview: Inga Schörmann

Macht ihr selbst Yoga? Und sollte ich damit vielleicht auch anfangen?

Sophie: Ja und ja! Na klar, wir sind leidenschaftliche Yogis. Wir haben beide in Deutschland schon Yoga gemacht. Später sind wir gemeinsam fürs Studium nach Schweden gegangen. Die Zeit dort hat uns allerdings nochmal zu deutlich größeren Yoga-Fans gemacht. Der Winter war sehr lang, grau und dunkel. Da haben wir einfach mehr Zeit im Yogastudio verbracht. Nun sind wir schlichtweg besessen von Yoga.

Anna: Du solltest unbedingt auch damit anfangen! Yoga tut dem Körper unglaublich gut, du trainierst und dehnst Körperregionen, von denen du vorher nicht mal wusstest, dass sie existieren. Dadurch bekommt man ein ganz anderes Körpergefühl und eine andere Haltung. Was uns an Yoga auch super gut gefällt, ist, dass es für wirklich jeden ist. Wenn du eine Sportfanatikerin bist, die gerne richtig Gas gibt, geh am Besten in eine Vinyasa-Flow-Klasse, wenn du lieber auf eine ruhigere Art stehst, ist vielleicht Yin Yoga das Richtige. Unser letztes Überzeugungsargument: die Kombination von Körper und Geist. Während des Yogas hast du Zeit für dich und und switchst quasi von einem Modus voller Gedanken in einen der Empfindung, in dem du deinen Körper und dich selbst wahrnehmen kannst. Das bewusste Atmen etwa hilft dabei. Probier es also mal aus, du wirst es sicherlich lieben.

Kamt ihr beim Yoga auf die Idee, nachhaltige Yoga-Matten herzustellen?

Anna: Nein, die kam uns während einer Reise nach Göteborg. Dort haben wir die „Rödasten Konsthall“ angeschaut. In diesem Museum hatte damals die türkische Künstlerin Pinar Yolda eine Ausstellung rund um die globale Erderwärmung und kapitalistischen Konsum. Ein Kunstwerk handelte von Yogis mit nachhaltigem Lifestyle. Die meisten davon kommen nämlich mit ihrer Glaswasserflasche und Jutebeutel zur Yogastunde, räkeln sich aber dann auf einer Plastikmatte, die für Mensch und Umwelt schädlich ist. Dieser Gedanke hat uns beide getroffen und wir fühlten uns ertappt. Denn auch wir waren von unserem nachhaltigen Lebensstil überzeugt, hatten allerdings noch keine Sekunde zuvor an unsere Yogamatten gedacht. Wieder zuhause suchten wir nach einer solchen Matte, aber keine der Alternativen auf dem Markt konnte unseren Ansprüchen gerecht werden. Daher beschlossen wir, es selbst in die Hand zu nehmen und unsere eigene nachhaltige Yogamatte zu entwickeln.

„Alternativen auf dem Markt, wie Matten aus Naturgummi, sind nicht vollständig nachhaltig, denn oft müssen Natur und Artenvielfalt den entsprechenden Anbauplantagen weichen.“

Ihr habt jüngst euer Crowdfunding gestartet: Warum sollten unsere Leser euch unterstützen?

Sophie: Jedes Jahr landen 10 Millionen Tonnen Müll im Meer, 75 Prozent davon ist Kunststoffmüll. Wir möchten mit unserer Closed-Loop-Yogamatte ein nachhaltiges Produkt auf den Markt bringen und so pro Matte 1,5 Kilo Müll einsparen. Das Produkt ist so designt, dass recycelte Materialien für die Produktion genutzt werden können und die Yogamatte am Ende ihres Produktlebenszyklus auch wieder recycelbar ist. Das kommt nicht nur der Gesellschaft und der Natur zugute, Yogis erfahren auch Komfort auf einer qualitativ hochwertigen Yogamatte im Recyclingdesign.

Anna: Vermeintlich nachhaltige Alternativen auf dem Markt, wie Matten aus Naturgummi, sind nicht vollständig nachhaltig, denn oft müssen Natur und Artenvielfalt den entsprechenden Anbauplantagen weichen.

Wir sind nun bereits sehr nah an unserem Endprodukt, um allerdings ein Höchstmaß an Qualität und Nachhaltigkeit zu erreichen, müssen wir weitere Tests durchführen. Hierfür benötigen wir finanzielle Ressourcen und ihr könnt uns in unserer Crowdfunding-Kampagne unterstützen. Auf unserer Startnext-Seite könnt ihr euch im Gegenzug ein Dankeschön aussuchen.

Eine Verständnisfrage: Was stelle ich mir unter „closed-loop“ vor? Sind die Matten wie ein Loop-Schal konzipiert?

Anna: Nein, wir konzipieren keine runden Yogamatten. Gemeint ist das Prinzip der „Circular Economy“, in dem der Markt kreislaufförmig ausgelegt wird ­– Abfälle werden als Ressource genutzt. Selbst wenn Produkte für eine lange Lebenszeit designt werden, kommen sie früher oder später irgendwann einmal an ihrem Ende an. Gemäß der Circular Economy ist das aber nicht das Ende, sondern der Anfang von etwas Neuem. Indem Produkte recycelt werden, können Materialien wiederverwendet werden und ein neues tolles Produkt kann daraus entstehen.

Sophie: Genauso ist es bei unseren Yogamatten auch. Zuerst erstellen wir sie aus recycelten Materialien und möchten erreichen, dass unsere Kunden die Produkte so lange wie möglich nutzen. Wenn es dann doch dem Ende zugeht, kommt unser integriertes Rücknahmesystem ins Spiel. Mit diesem treten wir bereits in den Markt ein, obwohl wir wissen, dass es wahrscheinlich eine lange Zeit dauert, bis wir die ersten Matten wieder zurückbekommen. Gerade dieser Schritt ist für uns aber extrem wichtig, nur so können wir den Kreislauf wieder schließen und das ist unser Ziel: eine Closed-Loop-Yogamatte.

Wie muss ich mir das vorstellen: Wie stellt ihr die Matten genau her?

Sophie: Wir fertigen unsere Matten aus Schnittresten, die in der Schaumproduktion anfallen. Schäume werden in allen möglichen Industrien verarbeitet, der Bau-, Möbel- oder auch der Automobilindustrie. In all diesen Produktionen fallen große Mengen an Schnittresten an, die eigentlich nicht mehr benutzt werden können. Indem wir die Schäume aber sammeln und wieder zerkleinern, können wir die Materialien weiter nutzen und daraus unsere Yogamatten machen. Der große Vorteil bei der Produktion mit Schnittresten ist die gute Qualität: Da diese Abfälle sogenannter Pre-Consumer-Waste sind, also Müll, der nicht erst beim Konsumenten entstanden ist, fallen keinerlei qualitative oder hygienische Mängel an.

Anna: Der ein oder andere wird bestimmt das Vorurteil haben, dass es vielleicht nicht ganz so schön ist, sich auf einer recycelten Yogamatte zu entspannen und tief durchzuatmen. Da wir unsere Matten aber aus Produktionsmüll anfertigen, der zusätzlich nochmals gereinigt wird, können alle Yogis die Hejhej-Mats-Yogamatten mit bestem Gewissen für die eigene Gesundheit und die Natur nutzen. Unsere Prototypen sind außerdem super rutschfest, denn wir wissen, wie wichtig das für Yogis ist.

Eine letzte Frage: Warum der Name Hejhej-Mats?

Anna: „Hej hej“ bedeutet auf Schwedisch „Hallo“ und soll unsere Verbindung mit Schweden zeigen. Wir hatten dort eine unglaublich schöne Zeit mit vielen wundervollen Menschen und Hejhej-Mats ist dort entstanden. Auch möchten wir Müll, der ansonsten nicht mehr genutzt würde und in Müllkippen oder gar im Meer landen würde, ein zweites Leben verleihen und auch dem Produkt Hallo sagen. Und da unser Ziel ist, einen Kreislauf zu schaffen: nicht nur einmal „Hej“, sondern mehrmals.

Noch bis Ende Oktober könnt ihr Anna und Sophie bei ihrer Crowdfunding-Kampagne unterstützen – und euch schon jetzt eine Hejhej-Mats-Yogamatte sichern. Für Early-Birds gibt es sie jetzt sogar noch etwas günstiger.

Inga Schörmann
Inga ist eine ökologisch und feministisch motivierte Wortklauberin – im besten Sinne. Weder sprachliche Ungenauigkeiten noch gesellschaftliche Ungerechtigkeiten entgehen unserer leitenden Redakteurin. Allerdings entwischen ihr immer wieder Würmer aus der Wurmkiste. Daran arbeitet sie noch. Mehr ...

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